Warum sollten junge Menschen die FDP (nicht) wählen?

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2013 flog die FDP als unsoziale Partei der Besserverdiener aus dem Bundestag. Doch schon 2017 kam sie stark zurück, 2021 ist die Partei wieder Teil der Regierung. Doch was hat sich neben dem Ergebnis Inhaltlich etwas verändert? Und ist die FDP eine gute Wahl für junge Menschen (gewesen)?

Ich habe Wahlprogrammanalysen von 2019 zu dem FDP Programm von 2017 gelesen, mir die Neuerungen im aktuellen Programm genauer angesehen.

Grenzenlose Freiheit

Wir jungen Menschen, wir wollen Zukunftschancen und Freiheit. Viele wollen sich Beweisen, selber etwas Aufbauen und sich einen Platz in dieser Welt verdienen. Die FDP hat das scharfsinnig erkannt und verspricht Menschen genau das, teilweise sogar wiedersprüchlich, ganz danach was sie hören wollen. (siehe Dachwitz)

Gleichheit vs Gerechtigkeit

Illustrating Equality VS Equity
Grafik: Interaction Institute for Social Change | Artist: Angus Maguire. QUELLE

Fairness ist ein wiederkehrendes schlagwort im FDP Framing. Fairness ist für die FDP ein Sammelbegriff, der sich (nach dem was im Programm damit verbunden wird) auf zwei Forderungen reduzieren lässt:

  1. Wir wollen gleiche Chancen für alle, dann können es hart arbeitende schaffen.
  2. Wer sich etwas erarbeitet hat, soll es behalten dürfen.

Moment! Ist dir aufgefallen dass die FDP gerne von Arbeit redet?

Das ist nicht so ganz richtig, denn Menschen die hart arbeiten (Arbeiter:innen, kleine Mittelständische) sind eine Sache, aber andere für sich arbeiten lassen eine andere. Erben hat auch nichts mit Arbeit zu tun. Trotzdem lehnt die FDP höhere Steuern für sehr Reiche ab, auch höhere Erbschaftssteuern kommen ihr nicht in die Tüte.

Genauer wäre also der Satz "Wer etwas legal erhalten hat, soll es behalten dürfen". Das klingt schon ganz anders, oder? Mit diesem frame ist es näher an der realität: erst erben, dann asoziale Ausbeutung betreiben und wenn Andere darauf aufmerksam machen laut schreien "solange es legal ist ist es keine Ausbeutung!".

Praktisch heißt das: Ja, die FDP macht sich für geiles Kiffgras stark. Leider nicht dafür, dass alle gerechte Chancen darauf haben, sich dieses saubere Zaubermoos auch leisten zu können. Dafür sollen die Reichos mehr behalten als sie jemals sinnvoll ausgeben können. Auch die von der FDP geforderten Steuerentlastungen für alle, sind ein perfektes Beispiel für Gleichheit und haben wenig mit Gerechtigkeit zu tun.

Opas FDP

Die FDP hatte (vor Jahrzehnten) überlegt mit dem Satz "Opas FDP ist tot" zu werben. Nach dem neuen image, dem großen Aufschwung und gerade nach dem Ergebnis bei den Erstwähler:innen 2021 scheint es besonders zu Passen.

Nur leider kaum Inhaltlich. Eine Analyse des Wahlprogramms ergibt das Gegenteil: Progressive Themen sind zwar vorhanden, Konservative Themen aber tief im Programm verankert. Ungerechte Ökonomische Verhältnisse sowie die Zukunftsängste der jungen Menschen werden wenig, bis gar nicht angetastet.

Und das nicht ohne Grund, denn auch wenn sie einen Vergleichsweise hohen Anteil der Erstwählerschaft bekam, so sind die Erstwählenden als 4,7% aller Wahlberechtigten nur eine kleine Gruppe. Die entscheidenden stimmen kommen, auch für die FDP, von alten weißen cic Männern mit mehr Geld als wir uns Erträumen können. Diese wichtige Gruppe darf die FDP nicht verlieren. Deshalb vertritt sie deren Interessen auch nur zu gern.

Unschöne Themen werden neu geframt, aber bleiben im kern Gleich. Ein Beispiel ist der Trickle Down Effect, zu dem Christian Lindner auf abgeordnetenwatch sagt "vertrete ich nicht" und einen Artikel verlinkt in dem sehr schön betont wird wie doch alle entlastet werden. Dass die es die größte Entlastung für Reichos gibt wird dabei angenehm unter den Tisch gekehrt.

Opa's FDP lebt nicht nur, Opa's sind die FDP. Mensch sieht sie bloß durch das hippe profi-Designerkleid nicht. Und wenn, dann sind sie gut in TikTok. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie Menschen (gut) vertreten.

Fazit

Die FDP hat neue ihr Auftreten durch Listening und gute Kommunikation modernisiert, vertritt eine zeitgemäße Gesellschaftspolitik, aber behält ihren konservativen und marktradikalen Kern. Sie verspricht jungen Menschen mehr Freiheit um sich selbst verwirklichen, schafft in der Realität aber eher Freiräume für Unternehmen, und zwar frei von Verantwortung. Gern wird von Gleichberechtigung gefaselt, dabei aber vergessen, dass es priviligierte und nicht priviligierte gibt.






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Quellen & Literatur

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